2005

Zum Gedenken an den Architekten W. Smirnow

„Wirtschaftliche Rundschau“ Nr. 24, 24. Juni 2005 /S. / Kischinjow

Zum Gedenken an den Architekten

Viktor Fjodorowitsch Smirnow – verdienstvoller Kunstschaffender der Moldauischen SSR, Kandidat der Architekturwissenschaften, Dozent, Leiter des Lehrstuhls „Architektonisches Entwerfen und Stadtplanung“ des Polytechnischen Instituts Kischinjow /heute Technische Universität/.

W. Smirnow wurde am 13. August 1910 in Zentralasien, in der Stadt Taschkent, in einer Beamtenfamilie geboren. Sein Vater war Militäringenieur, seine Mutter Lehrerin.

1927 ging er in die Stadt Leningrad zu Vorbereitungskursen, und von 1928 bis 1929 war er Gasthörer am Leningrader Polytechnischen Institut, in das er letztlich nicht aufgenommen werden konnte. 1929 kehrte er nach dem Tod seines Vaters zur Arbeit nach Samarkand zurück.

1930 wurde er auf Empfehlung des Usbekischen Volkskommissariats für Bildungswesen in den zweiten Studienjahrgang des neu eröffneten Zentralasiatischen Bauinstituts in Taschkent an der Baufakultät aufgenommen. Nach dem Abschluss bekleidete er Verwaltungsämter.

Nach der Demobilisierung war er Leiter der Verwaltung für Sonderbau beim NKWD der Usbekischen SSR.

1942 wurde W. F. Smirnow zum verantwortlichen Sekretär des Verbandes der Sowjetischen Architekten Usbekistans gewählt, und 1944 wurde er als stellvertretender Leiter der Verwaltung für Bauwesen beim Rat der Volkskommissare der Usbekischen SSR bestätigt.

Diese Jahre waren für Viktor Smirnow aufgrund seiner Begegnungen mit dem anerkannten Meister der sowjetischen Architektur A. W. Schtschussew von großer Bedeutung. Der Bau des Gebäudes des Staatlichen Akademischen Alischer-Navoi-Theaters für Oper und Ballett in Taschkent hatte bereits in der Vorkriegszeit begonnen. Die Bauarbeiten wurden auch in den angespannten Tagen des Vaterländischen Krieges fortgesetzt, als die Begegnungen mit dem Projektverfasser stattfanden.

Das Theater wurde 1947 eröffnet, und 1945 wurde W. F. Smirnow auf Anweisung des Komitees für Bauwesen beim Rat der Volkskommissare der UdSSR als Leiter der Verwaltung für Bauwesen nach Moldawien versetzt.

Seit 1959 war er bis 1963 Chefarchitekt der Stadt Kischinjow.

1961 wurde W. Smirnow nach einem Auswahlverfahren zum Dozenten am Lehrstuhl für Zivil- und Industriebau der Ingenieurfakultät der Staatlichen Universität Kischinjow berufen, wo er nebenberuflich tätig war.

1963 wechselte er zur ständigen Arbeit an das Polytechnische Institut Kischinjow. Dank seiner persönlichen Beharrlichkeit und unmittelbaren Mitwirkung wurde zunächst eine Abteilung und danach die Fakultät „Städtebau und Architektur“ gegründet, die ab 1965 mit der Ausbildung von Fachleuten – Architekten – begann. In diesem Jahr wird die Fakultät ihr vierzigjähriges Bestehen feiern.

Viktor Fjodorowitsch Smirnow ist der Autor zahlreicher verwirklichter Bauwerke in den Städten Taschkent, Samarkand, Kischinjow und anderen Städten.

1954 projektierte und leitete er im Auftrag der Regierung Moldawiens den Bau des Sanatoriums „Moldowa“ in der Stadt Odessa. 1956 wurden das Gebäude des nach A. S. Puschkin benannten Opern- und Balletttheaters /heute Dramatisches Theater M. Eminescus/ sowie dreigeschossige Wohnhäuser in der A.-Puschkin-Straße und der Straße Ştefan cel Mare projektiert und errichtet.

Von 1959 bis 1963 leitete er die Überarbeitung des Projekts für den Generalbebauungsplan der Stadt Kischinjow und des Schemas für die erste Etappe ihrer Bebauung.

Bei der Ausführung einer Reihe von Projekten zur Planung der Städte der Republik und der Hauptstadt leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Städtebaus in Moldawien, was die Grundlage für die Abfassung der Dissertation „Der Städtebau Moldawiens“ im Jahr 1972 bildete.

W. F. Smirnow hat eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht, darunter: „Die Entwicklung der Städte in Bessarabien und der Moldauischen SSR“, „Planung und Rekonstruktion der Städte Moldawiens“, „Geschichte der Architektur der Moldauischen SSR“ für den XII. Band der Allgemeinen Geschichte der Architektur, „Der Städtebau Moldawiens“, „Bauen mit natürlichen Steinmaterialien“ u. a.

Wer Gelegenheit hatte, mit Viktor Fjodorowitsch zu sprechen und seine Auftritte oder Vorlesungen zu hören, hatte großes Glück. Seine Rede war reich an Epitheta und Vergleichen, und der Bildhaftigkeit waren keine Grenzen gesetzt. Beim Betreten des Auditoriums schlüpfte er offenbar sofort in seine Rolle und begann mit einem „eindrucksvollen“ Vortrag. Das Publikum erwartete sprachliche Effekte, mit denen der Dozent nicht sparte. Seine Erzählungen waren schwerlich als trocken, zurückhaltend oder einfach nur informativ zu bezeichnen. Die Themen, die er seinen Studenten vermittelte, waren durch sein eigenes Spektrum gebrochen, und seine Lebenserfahrung und Stellung erlaubten es ihm, leicht und ungezwungen zu sprechen. Er benotete gerecht, ohne den Studenten zu verspotten oder zu blamieren. Offenbar verstand und wusste er, was den künftigen Architekten noch erwartete.

Für seine Verdienste wurde W. F. Smirnow wiederholt mit Ehrenurkunden des Präsidiums des Obersten Sowjets ausgezeichnet. Für „heldenmütige Arbeit im Großen Vaterländischen Krieg“ sowie für seine Arbeit bei der Wiederherstellung, Rekonstruktion, Projektierung und Errichtung von Wohn-, Schul- und öffentlichen Gebäuden in der Stadt Kischinjow und in der Republik wurde er 1949 mit dem Orden des Roten Arbeitsbanners ausgezeichnet.

Viktor Fjodorowitsch Smirnow starb am 23. Juni 1975.

Wir alle erinnern uns an die markante Persönlichkeit, den Pädagogen und Mentor, und denken oft an ihn zurück.