2011
Drittes wissenschaftliches Forum der Designer
Vortrag: „Die Herausbildung einer innovativen Ergodesign-Projektierung - eine Notwendigkeit der heutigen Zeit“
/Abschnitt „Theorie und Methodologie des Designs“, S. 10-12/

Gegenwärtig befindet sich der traditionelle Begriff „Design“ in einem starken Wandel.
Design ist seinem Wesen nach nicht mehr nur die Gestaltung der uns umgebenden gegenständlichen Welt. Seine Kompetenzen werden wesentlich umfassender. Design entwickelt sich zu einem globalen Instrument, das Marketing und Soziologie zunehmend in den Hintergrund drängt. Design dringt in tiefere Forschungsebenen vor: menschliches Verhalten, Konsum, Lebensstil und die Erschließung neuer Richtungen.
Das traditionelle Marketing erfüllt immer häufiger nicht die Erwartungen von Herstellern und Verkäufern und führt nicht zu den erwarteten Verkaufsergebnissen. Auftraggeber für Designleistungen sind heute nicht nur Industrieunternehmen oder Privatpersonen, sondern auch die Gesellschaft selbst.
Design im klassischen Verständnis ist eine gestalterische, künstlerisch-technische Tätigkeit zur Entwicklung industrieller Erzeugnisse mit hohen Gebrauchseigenschaften und ästhetischen Qualitäten sowie zur Gestaltung einer harmonischen gegenständlichen Wohn- und Produktionsumgebung und des soziokulturellen Bereichs. Designobjekte sind Industrieerzeugnisse wie Produktionsanlagen, Haushaltsgeräte, Möbel, Geschirr, Kleidung und anderes; Elemente der städtischen, betrieblichen und häuslichen Umgebung; visuelle Informationen; funktionale Konsumkomplexe und anderes. Design gliedert sich in: Industriedesign, Umweltdesign, Grafikdesign, Modedesign und Design des soziokulturellen Bereichs. Innerhalb jeder dieser Richtungen ist zudem eine Spezialisierung der Designer möglich. Das Ziel der Designprojektierung besteht in der Optimierung der funktionalen Prozesse der menschlichen Lebenstätigkeit und in der Steigerung des ästhetischen Niveaus von Erzeugnissen, was ohne Ergonomie nicht möglich ist.

Ergonomie ist eine Disziplin, die anthropometrische, biomechanische, psychophysiologische und psychologische Aspekte der Wechselwirkung des Menschen mit technischen Mitteln, dem Gegenstand seiner Tätigkeit und seiner Umgebung umfassend untersucht. Ihr Ziel besteht darin, dem System „Mensch-Maschine-Umgebung“ Eigenschaften zu verleihen, die dessen möglichst effizientes Funktionieren unter Wahrung der Gesundheit und Förderung der Persönlichkeitsentwicklung gewährleisten. Die ergonomische Begleitung von Designentwicklungen erfolgt durch die unmittelbare Beteiligung von Ergonomen am Projektierungsprozess sowie durch die Entwicklung und Einführung ergonomischer Normen, Anforderungen und Standards.

Sie wird in Form miteinander verbundener organisatorischer Maßnahmen, wissenschaftlicher Untersuchungen und Projektarbeiten umgesetzt, wodurch die Qualität erhöht, die Arbeitsbedingungen verbessert und die physischen sowie neuropsychischen Belastungen des arbeitenden Menschen reduziert werden.
Die Ergonomie ist eine notwendige und verbindliche Phase der Designprojektierung, in deren Ergebnis Folgendes festgelegt werden muss: zweckmäßige Funktionen, die der Mensch bei seiner Tätigkeit ausführen soll, Arbeits- und Erholungszeiten, geometrische und hygienische Parameter des Arbeitsplatzes und anderes.
Daher basiert Design auf wissenschaftlichen Grundlagen der Objektmodellierung, verbindet wissenschaftliche mit künstlerischen Prinzipien im Projektbild und findet Anwendung in anderen Bereichen gesellschaftlicher Tätigkeit, beispielsweise im sozialen Design.

Unter den Bedingungen einer Krise, bei sinkender Nachfrage und zunehmendem Wettbewerb, wird innovatives Design in zahlreichen Branchen zu einer notwendigen Voraussetzung für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Binnenmarkt und für die Steigerung des Exportvolumens.

Innovation - gleichbedeutend mit Neuerung.

Die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich des innovativen Ergodesigns ist einer der wesentlichen Wege zur Integration der Republik in die Weltwirtschaft und die internationale Projektkultur. Gleichzeitig bildet sich in der Weltgemeinschaft eine öffentliche Auffassung vom internationalen Design als einer hochprofessionellen Tätigkeit heraus, die über ein großes Potenzial für Industrie, Kultur und Bildung verfügt.
Unter diesen Bedingungen ist es notwendig, wichtige Probleme im Bereich des Designs zu planen und zu bearbeiten. Dazu gehören die Beschaffung aktueller Informationen sowie deren Analyse und Zusammenfassung im Bereich des modernen Designs. Erforderlich sind außerdem die Vorbereitung und Veröffentlichung von Informationsmaterialien zu aktuellen Aspekten der Designtätigkeit für Fachleute aus Design, Industrie, Wissenschaft und Kultur.

Die praktische Umsetzung einer Reihe von Maßnahmen wird es ermöglichen, wichtige Rechtsakte vorzubereiten und zu verabschieden, die für die Entwicklung der Designprojektierung erforderlich sind. Dazu gehören vor allem ein Abkommen und ein zwischenstaatliches Kooperationsprogramm der an diesem Prozess beteiligten Staaten. Notwendig ist ein Gründungsvertrag zur Einrichtung eines zwischenstaatlichen „Designzentrums“ der an diesem Prozess beteiligten Staaten. Zu dessen Aufgaben soll die Förderung der Möglichkeiten des regionalen Designs als Faktor für die Entwicklung nationaler Innovationswirtschaften gehören.
Dazu zählen die Durchführung von Ausstellungen und Wettbewerben mit Designprojekten von Fachleuten aus verschiedenen Ländern. Der Informationsaustausch und die gemeinsame Verlags- und Werbetätigkeit im Bereich des Designs. Die Unterzeichnung eines Memorandums zum Schutz des Urheberrechts und des geistigen Eigentums im Designbereich der Mitgliedstaaten der zwischenstaatlichen Organisation.
Die wichtigste Aufgabe bei der Förderung des innovativen Designs besteht in der Erörterung und Abstimmung gemeinsamer Maßnahmen zur Schaffung wirtschaftlicher, rechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen. Für die Entwicklung des Designs müssen wissenschaftliche und personelle Grundlagen in folgenden Bereichen geschaffen werden:

- Grundlegende Bestimmungen und Prinzipien für die Gestaltung einer Designpolitik, die auf die Entwicklung des Designs und seine Einführung in die Produktion und den soziokulturellen Bereich ausgerichtet ist.
- Entwicklung einer vereinheitlichten normativ-technischen Dokumentation zu Design und Ergonomie.
- Beschaffung, Verarbeitung und Verbreitung von Informationen zu aktuellen Problemen der Entwicklung und Nutzung innovativen Designs in Form der Vorbereitung und Veröffentlichung von Fachliteratur, wissenschaftlicher, methodischer Literatur und Nachschlagewerken.
- Einrichtung eines spezialisierten zwischenstaatlichen Informationsportals im Internet.
- Herausgabe einer theoretischen, wissenschaftlich-praktischen und methodischen Fachzeitschrift sowie regelmäßiger Kurzinformationen.
- Steigerung des beruflichen Niveaus der Designer durch die Weiterentwicklung des Systems der Designausbildung, einschließlich der Qualifizierung hochrangiger Fachkräfte durch den Austausch von Lehrkräften und Studierenden, Fachpraktika, Weiterbildungen und Promotionsstudien;
- Organisation und Durchführung internationaler Fachveranstaltungen wie wissenschaftlich-praktischer Konferenzen und Symposien, Ausstellungen, Wettbewerbe, Festivals, Präsentationen und Projektseminare unter Beteiligung von Designern aus verschiedenen Ländern zur Lösung gesellschaftlich bedeutsamer Aufgaben von internationaler Relevanz;
- Entwicklung von Maßnahmen zur ideellen und materiellen Anerkennung von Fachleuten im Bereich des Designs durch die Verleihung nationaler und zwischenstaatlicher Preise für die besten Designarbeiten und für aktive Beiträge zur Förderung des Designs sowie durch die Einführung nationaler Ehrentitel im Designbereich.
- Förderung der freien Mobilität von Kulturschaffenden und Designern, die zum Zweck des kulturellen Austauschs einreisen.
- Aufbau geschäftlicher Kontakte und Erfahrungsaustausch sowie Gewinnung von Investitionen durch gemeinsame Arbeiten im Bereich des Ergodesigns.

Die Geschichte der Entwicklung des Designs, das früher als künstlerische Konstruktion bezeichnet wurde, durchlief mehrere Etappen. In den 1960er- bis 1990er-Jahren wurde das Design in unserem Gebiet durch das WNIITE, das Allunionsforschungsinstitut für technische Ästhetik, vertreten. Damals existierte Design unter der Bezeichnung „technische Ästhetik“. Das genannte Institut verfügte über zehn Zweigstellen, die sich unter anderem in mehreren Republiken der ehemaligen UdSSR befanden: in Aserbaidschan, Armenien, Belarus, Litauen, Georgien und der Ukraine. In verschiedenen Bereichen wurde eine produktive internationale Zusammenarbeit gepflegt. Dabei ist vor allem die Zusammenarbeit mit dem International Council of Societies of Industrial Design, ICSID, zu nennen. Der Internationale Rat für Industriedesign wurde 1957 gegründet. Sein Hauptsitz befindet sich in Helsinki, Finnland. Er vereint 148 Designorganisationen aus mehr als 50 Ländern der Welt. Gemeinsam mit ICOGRADA, dem Internationalen Rat für Grafikdesign, und IFI, der Internationalen Vereinigung für Umweltdesign, führt er gemeinsame Veranstaltungen und Generalversammlungen durch.

Zum Arbeitsprogramm des ICSID gehören Ausstellungen, Seminare, Bildungsprogramme, Wettbewerbe und Konferenzen. Für seine Mitglieder veröffentlicht der Rat regelmäßig Pressemitteilungen mit kurzen Zusammenfassungen von Designnachrichten aus allen ICSID-Mitgliedstaaten.

Seit 1965 besitzt das WNIITE die Mitgliedschaft im ICSID, seit dem Jahr 2000 auch die Internationale Vereinigung „DESIGNERUNION“.

Die Internationale Vereinigung „Designerunion“ ist eine unabhängige kreative Organisation und Rechtsnachfolgerin der im April 1987 gegründeten „Designerunion der UdSSR“. Nach ihrer erneuten Registrierung im Jahr 1992 vereint die Internationale Vereinigung weiterhin einen großen Teil der kreativen Verbände der unabhängigen Staaten sowie regionale und städtische Abteilungen der Designerunion. Die Internationale Vereinigung „Designerunion“ ist Mitglied des Rates für kulturelle Zusammenarbeit der Teilnehmerstaaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und Mitglied der Internationalen Vereinigung kreativer gesellschaftlicher Verbände von Kultur- und Kunstschaffenden.

Zur Internationalen Vereinigung „Designerunion“ gehört auch die im Februar 1988 gegründete Designerunion der Republik Moldau. Heute vereint sie mehr als achtzig professionelle Fachleute aus unterschiedlichen Designbereichen. Die Mitglieder der Designerunion haben zentrale staatliche und kommerzielle Programme sowie Projekte in verschiedenen Bereichen der Designtätigkeit entwickelt und umgesetzt. Die Designer Moldaus nehmen an nationalen und internationalen Symposien, Ausstellungen und Wettbewerben teil. Die Internationale Vereinigung „Designerunion“ ermöglicht den Zugang zu aktuellen Fachinformationen, den Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene und den Aufbau persönlicher kreativer Kontakte zu führenden Designern aus vielen Ländern. Die Umsetzung der Ergebnisse technisch-ästhetischer Untersuchungen sowie anderer organisatorisch-methodischer Dokumente und Empfehlungen.

Die Internationale Vereinigung „Designerunion“ führt gemeinsam mit Fachleuten des WNIITE aktiv Seminare und Konferenzen zu aktuellen Problemen der Theorie, Geschichte und Praxis von Design und Ergonomie durch. Dies fördert den Erfahrungsaustausch und die Entwicklung wissenschaftlicher und kreativer Kontakte zwischen den Fachleuten. Ein weiteres Tätigkeitsfeld der internationalen Zusammenarbeit umfasst bilaterale und multilaterale Beziehungen sowie Untersuchungen zu aktuellen Fragen des Designs und der Ergonomie. Diese bilden ein kreatives Erbe in den Bereichen Designtheorie, Methodik und Praxis, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Die zuständigen Fachministerien und die Akademie der Wissenschaften der Republik Moldau müssen unter Beteiligung der Designerunion Moldaus als führender nationaler Organisation, die Fachleute dieses Bereichs vereint, ein Konzept für innovatives Ergodesign für einen festgelegten Zeitraum entwickeln. Dieses Konzept muss durch die inneren Gesetzmäßigkeiten und die zahlreichen Verbindungen zu Industrie, Handel und Konsum bestimmt werden.
Die Bereiche der Ergodesign-Projektierung von Erzeugnissen für industrielle und kulturelle Zwecke sowie für den sozialen und häuslichen Bereich müssen gestärkt werden. Das wissenschaftliche und bildungspolitische Potenzial des Designs im weitesten Sinne muss erhöht werden.
Diese Schritte werden dazu beitragen, die gegenständliche Umwelt zu verändern, optimale Lösungen im Produktionsbereich zu erreichen und das wissenschaftliche und bildungspolitische Potenzial zu erschließen.