2009
„Russische Exlibris-Zeitschrift“, Ausgabe 10, S. 47–50
Moskau. Verlag „RAE und MSK“
„Die Schriftsymphonie von Wladimir Scheiko“
Wladimir Sergejewitsch Scheiko wurde 1949 in Kischinjow geboren. Er ist fest als Künstler beim Staatlichen Fernsehen Moldaus tätig. Mit dem Exlibris beschäftigt er sich seit 1975. Er schuf etwa 100 Bücherzeichen. Er nahm an zahlreichen republikanischen und internationalen Exlibris-Ausstellungen teil.
Das Schaffen Wladimir Scheikos lässt sich heute in erster Linie anhand des Bücherzeichens und der kleinen Präsentationsgrafik beurteilen. Auf diesem Gebiet hat er sich vollständig entfaltet und verwirklicht. Scheiko ist in seinen Beschäftigungen beständig und dient nur drei Musen: dem Fernsehen, bei dem er seit etwa vierzig Jahren tätig ist, dem Exlibris sowie dem Sammeln von Bücherzeichen und Briefmarken.
Nicht jedem gelingt es, mit seinen Werken sofort Aufmerksamkeit zu erregen, wie es Scheiko gelungen ist; seine Werke wurden zu Sammelobjekten vieler Sammler von Bücherzeichen. Dies liegt nicht nur daran, dass der Hauptteil seines Schaffens aus Druckgrafik kleinen Formats besteht, sondern auch daran, dass der Grafiker auf unterschiedliche Weise an den Ausdruck eines Themas herangeht, und daran, dass jeder Arbeit ein Gefühl der Güte, der seelischen Wärme und der lyrischen Stimmung zugrunde liegt.
Der Kreis der Besitzer der vom Künstler geschaffenen Exlibris ist breit und vielfältig: Es sind Sänger und Musiker, Arbeits- und Künstlerkollegen, Wissenschaftler und junge Bücherfreunde. Diese Bücherzeichen bestimmen die Vielfalt der Sujetlösungen, die Wahl des Materials und den Charakter der Ausführung: „ex libris“, „ex libris“, „Aus den Büchern“, „Aus den Büchern von A. und O. Beloussow“.
Jede neue Arbeit Wladimir Scheikos auf dem Gebiet des Bücherzeichens ist ein Schritt zur Vervollkommnung, ein Schritt bei der Beherrschung der druckgrafischen Technik, ein Schritt zur Erkenntnis der Beziehungen. Es scheint, als gebe es für den Künstler keine Grenzen bei der Erweiterung der Möglichkeiten, unterschiedliche Verfahren im Linolschnitt oder in der Kunststoffgravur einzusetzen. In seinen Arbeiten sehen wir bis zur Vollkommenheit gebrachte Abzüge der Kleingrafik, sei es ein schwarz-weißes Exlibris oder eine mehrfarbige „PF“-Glückwunschgrafik. Der Grafiker variiert kühn die Möglichkeiten der Drucktechnik, indem er den Abzug einmal erlesen weich, ein anderes Mal kontrastreich scharf gestaltet und seine Linie plötzlich hell vor dunklem Hintergrund oder umgekehrt erscheinen lässt.
Die gesamte Kleingrafik W. Scheikos entwickelt sich nach ihren eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten, denen die Einheit der traditionellen Beziehungen zwischen Sujet, Inhalt und Graviertechnik zugrunde liegt.
Der Künstler betrachtet die Welt mit seiner besonderen Sichtweise und findet im gewöhnlichen Material das Ungewöhnliche, wobei er den Betrachter zum Nachdenken darüber anregt und gute und lichte Gefühle weckt.
Die zauberhaft-bildhafte Welt seiner Exlibris ist schwer fassbar und idealistisch, zugleich jedoch stets bildnerisch aktiv. Nicht selten werden einfache Dinge zum Gegenstand der künstlerischen Erschließung der Fläche der kleinen Form, wobei gewöhnliche Gegenstände dank der persönlichen Sichtweise des Künstlers auf wundersame Weise verwandelt werden. Manchmal ist die gegenständlich-räumliche Grundlage durch objektive und persönliche Wahrnehmungselemente verworren verkompliziert. Doch in diesen auf den ersten Blick unterschiedlichen grafischen Elementen und Themen gibt es etwas, das sie vereint. Im Laufe der Zeit rücken diese grafischen Blätter einander näher, reihen sich aneinander, als würden sie die emotionalen Erlebnisse, die Manier und die Facetten des Schaffens des Autors offenbaren.
W. Scheiko wendet sich häufig Bücherzeichen für junge Bücherfreunde zu und gestaltet sie sehr unmittelbar, mit Elementen des Spiels und leichten Humors. Alle Kinderexlibris sind vom Eindringen in die innere Welt des Kindes geprägt („Aus den Büchern von Dona. Schule“, „Das Büchlein von Vitalik Sacharow“, „Das Büchlein von Dona“).
Der Künstler sucht seit mehreren Jahren nach seiner eigenen künstlerisch-plastischen Sprache. Er sucht mühevoll, aber aktiv, und überwindet alle Schwierigkeiten bei der Erkenntnis der flächigen und räumlichen Gesetzmäßigkeiten der Druckgrafik kleinen Formats. Die meisterhafte Beherrschung unterschiedlicher Verfahren der plastischen Gestaltung und des Gravierens kam in einem Zyklus von Exlibris besonders deutlich zum Ausdruck, die sich unter der gemeinsamen Bezeichnung „Schrift“ zusammenfassen lassen.
Die Schrift ist jener Bereich, in dem sich die Wege von Darstellung und Buchstabe kreuzen und miteinander verflechten. Die Besonderheit der Grafik als bildender Kunst findet hier ihre ganze Vielfalt und Verwirklichung. Gerade in der Schriftgravur fand der Künstler seine individuelle Handschrift und seinen originellen Stil, entfaltete die künstlerische, technische und farbliche Thematik seines Schaffens und formulierte ein eigenständiges Konzept für die Arbeit am gravierten Schrift-Exlibris. Die technischen Möglichkeiten in Scheikos Schriftkompositionen sind die grundlegende Form seines künstlerischen Denkens und zugleich Ausdruck plastischer und farblicher Ideen. Bereits in seinen ersten Schriftarbeiten findet der Grafiker interessante Gegenüberstellungen, die durch ihren Inhalt und ihre formalen Verfahren die Wahrnehmung des Themas verstärken und es mit größerer emotionaler Schärfe erklingen lassen. Diesen Entwicklungen können die Exlibris ... zugerechnet werden.
An den ersten ernsthaften Werken ist zu erkennen, dass der formale Aufbau des Bücherzeichens, die technische Verkomplizierung und die konsequente Auseinandersetzung mit dem Genre von Blatt zu Blatt neue Seiten des modernen Exlibris offenbaren. Bei der Untersuchung von Aufbau und Ausarbeitung der Bücherzeichen des Künstlers erkennt man, dass eines der Werke in das Thema einführt und das folgende es abschließt. Selbst in den Schriftgrafiken W. Scheikos spiegelt sich die Wärme der Beziehungen wider: die Beziehung zwischen Künstler und Bibliophile, zwischen Künstler und Auftraggeber. Er hat eine vielschichtige Thematik für die ausgeführten Bücherzeichen sowie vielfältige Beziehungen zwischen poetischen Metaphern und bildender Kunst erdacht.
Die grafischen Miniaturen W. Scheikos sind hochkünstlerische, bis in die kleinsten Einzelheiten durchdachte bildnerische Kompositionen, die sich als besonderes Gestaltungselement organisch in das Buch einfügen. In ihnen wurde der Rhythmus der Gegenüberstellungen von Zeit und Stil, emotionalen Spannungen und Assoziationen, Literatur und Theater gefunden. Sie sind nach einem modernen Verständnis der Kompositionsgesetze aufgebaut und bringen die den Künstler, den Bibliophilen und den Betrachter bewegenden Probleme in konzentrierter und vielschichtiger Form zum Ausdruck.
Die Kunst Wladimir Scheikos ist organisch. Diese Kunst half ihm, zahlreiche gute Bücherzeichen und seine eigene grafische Manier zu schaffen. Es war ein Weg unerwarteter Wendungen und Entdeckungen. Die nahe Zukunft kann uns einen anderen Künstler Scheiko zeigen.