Alexander Makovey

Geboren am 27. März 1954.
Dorf Sîngerei, Bezirk Drăgănești, Republik Moldau.
1971–1978 Studium an der Kunstfachschule Kischinjow und am Moskauer Institut für Polygrafie.
Mitglied des Künstlerverbands der Republik Moldau.

Ein Kalligraf - ein Mensch, der sich mit Buchstabenbildern befasst, muss sehr gut lesen, sich in den Text vertiefen und sich durch eine charakteristische Schrift ausdrücken können.

Wenn man die kalligrafischen Arbeiten von Alexander Makovey aufmerksam betrachtet, spürt man die Energie und den Nachdruck eines Mannes. Dabei geht es weder um plastische Lösungen noch um die Beherrschung neuer kompositorischer Verfahren beim Aufbau eines kalligrafischen Opus, sondern um die Wahrnehmung eines Künstler-Kalligrafen, der von Schrift durchdrungen ist und sie atmet. Und wie er auch denken und schreiben mag, er spiegelt sich dennoch ganz in seiner künstlerischen Schreibweise wider, in seiner Einstellung zum Leben, zu sich selbst, zum Graphem. Er kann sich weder vor seinem Temperament noch vor seinem Thema oder seiner Ästhetik verbergen.

Seine ersten Übungen in Schrift absolvierte Makovey bereits in den achtziger Jahren. Hinter ihm liegen Ausstellungen und Auszeichnungen auf dem Gebiet der kalligrafischen Schrift. Doch sein Stil begann sich erst gegen Ende der neunziger Jahre herauszubilden.

Die Arbeit mit Schrift verlangt vom Künstler guten Geschmack und ein Gespür für die Linie. Kalligrafie lässt sich nur durch eine durchdachte und tägliche Beschäftigung mit ihr ergründen. Alexander Makovey bewegt sich im Strom der zeitgenössischen Kalligrafie und verwendet immer häufiger die Verfahren der freien Schrift. Der Künstler ist auf der Suche nach neuen, freien Verfahren zur Ausführung eines kalligrafischen Opus. Die verwendeten handschriftlichen Schriften erfüllen vielfältige Aufgaben, von künstlerischer Ausdruckskraft bis hin zur emotionalen Stimmung.

Bei der Arbeit an der Schreibtechnik vervollkommnete der Autor seine Arbeitsmethoden. Ihm ist wichtig, dass der Buchstabenzwischenraum harmonisiert ist, einen eigenen untergeordneten Rhythmus besitzt und ebenso ausdrucksstark ist wie die eigentliche Schrift. Der Umriss eines Buchstabens interessiert ihn ebenso wie das, was sein Inneres ausfüllt. Er denkt nicht über den Aufbau des Buchstabens nach, sei er kalligrafisch verschnörkelt oder asketisch gezeichnet, klein oder groß geschrieben; ihm ist wichtig, wie die Fläche organisiert, wie die farbige Oberfläche erschlossen und wie der Bedeutungsgehalt lesbar wird. Seine Kompositionen bewegen sich im Rahmen einer plastischen Konzeption und einer bildhaften Konstruktion. Häufig geht die Inschrift in eine gewisse Abstraktion über oder wächst in sie hinein, in der der Schriftkünstler ein System endloser Verflechtungen und Verbindungen verwendet und versucht, kalligrafisch geschriebene Zeilen, Ligaturen und Grapheme, gezeichnete Zeichen und Symbole grafisch miteinander in Beziehung zu setzen und dabei Klarheit und gute Lesbarkeit zu erreichen. All dies vor dem Hintergrund derartiger kalligrafischer Schnörkel und Überlagerungen.

Interessante Effekte erzielt der Autor durch den Wechsel von horizontal und vertikal geschriebenen Zeilen. Manchmal fügt er gekonnt Porträts oder menschliche Figuren in die Komposition ein und verstärkt dadurch einen bestimmten Bedeutungsgehalt und die inhaltliche Aussagekraft.

Die Verstärkung der Effekte in seinen kalligrafischen Werken erreicht der Autor durch die Verwendung von Farbe, häufig mittels des Monotypie-Verfahrens. Der Schriftkünstler löst das Thema assoziativ und schafft eine festliche, vielfarbige Komposition mit einer dominierenden Farbe und mit Collagierung auf der Fläche. Zu solchen Arbeiten lassen sich Zyklen großformatiger Blätter in Mischtechnik zählen: „Numele meu“ - 2007, „Poesis“ - 2007, „Omagiu Ch. Baudelaire“ - 2008.

Eine stilistische Erneuerung im Schaffen von Alexander Makovey vollzog sich in den letzten Jahren bei der Arbeit am Alten Testament und am Evangelium. Durch die Berührung mit diesem Thema erkannte der Autor, dass die Heiligen Schriften ihre eigenen Anforderungen diktieren. Durch den individuellen Ansatz des Künstlers werden Nuancen der Intonation bestimmt, andere Dimensionen und ein Gefühl für die Zeit erschlossen.

Zu den besten Arbeiten dieser Periode lassen sich typografische Titelkompositionen zählen, in denen der Autor interessante kalligrafische Werke schafft und eine inhaltlich bedeutsame Zeichnung in sie einwebt. In den geschriebenen Illustrationen findet der Künstler ein Ebenmaß der Proportionen und des Rhythmus, in der harmonischen Einheit des Allgemeinen und des Einzelnen, in Farbkontrasten und Nuancen. Die Lösungen der verschiedenen grafischen Elemente sind schlicht, streng und harmonisch.

Eine weitere Richtung, die A. Makovey zu erschließen versucht - ist der Psalter, ein biblisches Buch des Alten Testaments, das aus 150 Liedern besteht. Der Titel und das gesamte sprachliche Element des Textes regen zur Suche nach einer Schrift von erhabenem grafischem Charakter an.

Der Kalligraf verwendet eine altslawische Schrift und deformiert die Buchstaben auf eigene Art ein wenig, wodurch er seinen eigenen Klang der Wörter und die Intonation des Lesens vermittelt. Das Schriftblatt beginnt sich wie ein assoziatives Bild, wie ein verborgenes Abbild mit unerklärlichem Inhalt zu lesen. Für den emotionalen Klang des Textes verwendet der Kalligraf klassische Verfahren, die in alten Chroniken zur Anwendung kamen - die Initiale oder Schmuckinitiale als Anfangsteil eines Textes, einer Überschrift oder eines Absatzes. In diesen Blättern demonstriert der Künstler die fachkundige Anwendung dieses Akzents und seine Kenntnis der Geschichte der Schriftkunst. Bei der Organisation des Raumes auf der Fläche entsteht eine einheitliche Spannung sowohl in der Inschrift als auch im Bild und in den zusätzlichen ornamentalen Details. Zur Hervorhebung und Verstärkung des biblischen Textes führt er neben dem Ornament freie Schnörkel in die Kompositionen ein.

Dies entsteht auf der Ebene des emotionalen Gespürs, als eine eigentümliche Illustration, und zeichnet sich durch eine originelle Konfiguration, Größe und Farbe aus.

Von der Breite der kalligrafischen Interessen des Künstlers zeugen auch die mit Schrift gestalteten Bücher unterschiedlicher Bestimmung. Von der Dichtung „Limba noastra“ von Alexei Mateewitsch und „The Story of divine deer“ von Ion Chodyrke bis hin zu Katalogen und Exlibris. In all diesen Arbeiten sind die emotionale Atmosphäre und die Intonation des Autors präsent. Handschriftliche Schriften wirken aktiv an der Organisation des Raumes zwischen den Illustrationen mit, in dem es weder matte noch leere Zonen gibt.

Die gesamte kalligrafische Galerie von Alexander Makovey macht mit einem der wichtigsten Bereiche im Schaffen des Künstlers vertraut und veranschaulicht deutlich die Entwicklungsmöglichkeiten der Schriftkunst.