2009
„Zur Computer-‚Gravur‘“ /Artikel/
„Russische Exlibris-Zeitschrift“, Ausgabe 9, S. 93–98
Moskau. Verlag „RAE und MSK“

PRINT

Die Eintönigkeit der Gefühle des Künstlers, die Eintönigkeit der Intonation seiner Stimme und die Eintönigkeit der künstlerischen Verfahren führen zum Eindruck eines monotonen Schaffens. Heute führt uns die Computergrafik in der bildenden Kunst dorthin.

Man kann das Wort „Print“, das „Druck“ bedeutet, viele Male aussprechen, doch jedes Mal kann damit etwas anderes gemeint sein. Im ersten Fall kann es sich um einen Druck in einer Druckerei handeln, einen Druck in hoher Auflage, den sogenannten Offsetdruck. Im zweiten Fall kann es ein Druck mit einem Drucker sein, d. h. eine Vervielfältigung vom Computer mithilfe eines Druckers. Im dritten Fall handelt es sich um den Druck in einer Druckwerkstatt oder im schöpferischen Atelier des Künstlers.

Im ersten Fall gibt es bestimmte technologische Prozesse zur Herstellung der Druckform und des Drucks. Abhängig von den Druckprinzipien existieren Offset- und Hochdruck des Bildes. Beim typografischen Druck werden originale Formen hergestellt, die lediglich Kopien der Originale sind. Der typografische Druck erfordert eine bestimmte Qualifikation bei der Herstellung des Abzugs sowie die Bearbeitung, Anpassung und Zurichtung der Form und einen Probedruck vor Beginn der Auflage.

Der zweite Fall des Drucks ist weniger anspruchsvoll. Das Ergebnis wird durch das eingescannte oder „gelungen“ am Computer bearbeitete Bildmaterial bestimmt. Die Rede ist von Programmen wie „Adobe“, „Corel“ usw. Technologisch wird das Bild entweder eingescannt und anschließend nachbearbeitet oder in den oben genannten Programmen erstellt. Danach wird es auf Datenträgern gespeichert und mithilfe eines Druckers vervielfältigt. Bei einem misslungenen Ergebnis kann der Künstler jederzeit zur ursprünglichen, auf dem Computer gespeicherten Variante zurückkehren und die Arbeit von Neuem fortsetzen. Die Methode ist einfach und für jeden zugänglich, der über Kenntnisse und Erfahrung mit Grafikprogrammen verfügt.

Die polyphonste und facettenreichste Druckmethode ist die Vervielfältigung im schöpferischen Atelier. Der sogenannte individuelle, vom Autor selbst hergestellte Abzug. Hier lassen sich große Erfolge und Ergebnisse erzielen.

Der künstlerische Druck wird in drei Arten unterteilt:

1 Hochdruck oder Reliefdruck – das Bild wird von den erhöhten, hervorstehenden Stellen der Druckform auf das Papier abgedruckt (bei Holzschnitt, Linolschnitt und Kunststoffgravur).

2 Flachdruck – der Abzug erfolgt von einer flachen, ebenen Oberfläche der Druckform (bei der Lithografie).

3 Tiefdruck – das Bild wird aus den vertieften Stellen der Druckform abgedruckt (bei der Radierung).

Jede grafische Technik ist in der Regel mit einer bestimmten Druckart verbunden. Es gibt solche fachlichen Bezeichnungen wie „Tiefdrucktechnik“, „Flachdrucktechnik“ und „Hochdrucktechnik“. Jede Druckart und jede grafische Technik verleihen dem Werk ganz besondere, einzigartige künstlerische Qualitäten. Der Künstler bringt in seinem Schaffen mit allen Mitteln die charakteristischen grafischen Techniken oder, wie man sagt, „Manieren“ zum Ausdruck und hebt sie hervor: die Manier der Radierung, die Manier der Lithografie usw. Der Schöpfer erweitert in seiner Tätigkeit zur Erschaffung eines Kunstwerks fortwährend die Bandbreite der bildnerischen Mittel.

Neben den Graviertechniken müssen auch alle Prozesse der Herstellung eines Abzugs bekannt sein und eingehalten werden. Dazu gehören das Einweichen des Papiers, das Einwalzen oder Einfärben der Form, das Erwärmen und Pressen der Form sowie das Trocknen und Beschneiden des Abzugs. Diesen nicht einfachen „Print“ muss man Abzug für Abzug beherrschen lernen, was sich von einer einzigen Drucktaste auf der Computertastatur nicht sagen lässt.

Nach dem Gesagten ist es unmöglich, ein auf magische Weise vom Schöpfer, mit seinen Händen und seiner Seele geschaffenes Druckwerk und ein von einem programmierten Drucker erzeugtes Werk gleich zu behandeln. Dies erinnert an den Vergleich zwischen klassischer Musik und „Popmusik“. Doch sie nehmen niemals an denselben Wettbewerben und Kategorien teil.

Für den Grafiker ist der Druckprozess eine ebenso wichtige Etappe wie das Anfertigen von Skizzen und das Gravieren. Bei der Radierung hat der Druckprozess möglicherweise wie bei keiner anderen Technik eine entscheidende Bedeutung. Der Autor überwacht aufmerksam die Qualität jedes Abzugs, wählt aus, signiert und veröffentlicht nur die besten Blätter der Auflage. Alle Exemplare der Autorenauflage sind Originale, alle besitzen den Wert eines Originals, alle bewahren die grundlegenden Eigenschaften des Werkes, und keines gleicht dem anderen vollkommen. Bei jedem neuen Abzug kann der Künstler den Farbton des Papiers und der Farbe verändern sowie die Intensität der gesamten Radierung oder einzelner Details abschwächen oder verstärken. Die mögliche Anzahl der Abzüge (Auflagenhöhe) hängt vom Material der Druckform und von der Art ihrer Ausführung (Manier) ab. Bei jeder Manier der Radierung gibt es vernünftige Grenzen für die Auflagenhöhe, und der Radierer stellt den Druck ein, sobald die Druckform Verschleißerscheinungen zeigt. Abzüge von einer verschlissenen Form liefern ein offensichtlich unbefriedigendes Ergebnis. Die Gravur und die Auflage können in den Augen von Fachleuten diskreditiert werden.

Das Wichtigste ist, den Kontakt mit der Form nicht zu verlieren, sei es beim Tief- oder Hochdruck. Sei es bei einer schwarz-weißen oder farbigen Gravur. Der Druck des Schöpfers muss handgefertigt und originell sein.

Betrachten wir den Prozess des Gravierens einer „Platte“; sei es Holz, d. h. Holzschnitt, oder Kupfer beziehungsweise Zink, d. h. Radierung. Die Arbeit an einem Werk ist Magie, ein Mysterium, abgesehen von dem großen Anteil des notwendigen Handwerks. Die „Platte“ muss geschliffen, poliert und grundiert werden. Darauf muss die Zeichnung spiegelverkehrt, „umgekehrt“, übertragen werden. Von Zeit zu Zeit muss die Komposition mithilfe eines Spiegels überprüft werden. Erst der erste Probeabzug zeigt, ob die Darstellung, die Nachbearbeitung und die Säuberung richtig sind. Danach folgen die Auswahl der Farbe, die Zubereitung der Druckfarbe und der lang erwartete Druck. Dies ist bereits die abschließende, nervenaufreibende und zugleich festliche Etappe. In diesem Augenblick kann ein einzigartiges Werk entstehen, das buchstäblich nur in einem einzigen Exemplar zustande gekommen ist. Ein aufgrund der individuellen Besonderheiten des Meisters und seiner Sichtweise einzigartiges Exemplar. Dank Seiner Majestät, des Zufalls. Doch dies ist keine Auflage mehr. Es ist ein Ausstellungs- oder Wettbewerbsexemplar, das mit einem bestimmten Zustand und Thema ausgestattet ist.

Dieser Prozess kann keinesfalls als gleichwertig mit einem Computerbild betrachtet werden; folglich dürfen Hand- und elektronischer Druck auch nicht gemeinsam an denselben Wettbewerben teilnehmen. Es handelt sich um unterschiedliche Gewichtsklassen.

Keineswegs möchte ich die Rolle des Computers herabsetzen. Seine Möglichkeiten und seine Rolle sind im Grafikdesign, bei der Arbeit an Schriften und bei der kompositorischen Suche unersetzlich. Heute ist diese Hilfe auch bei der Arbeit an handgeschriebenen Schriften vorhanden, doch dies ist bereits ein anderes Thema.

Gegenwärtig können Computerprogramme noch keine Aufgaben aus dem Bereich der bildenden Kunst, aus dem Bereich des Unterbewussten und Emotionalen erfüllen, da die Befehle an die Tasten sehr bewusst erteilt werden und die Platinen noch nicht so vollkommen sind.

Doch dies ist nur ein Teil der Probleme. In der modernen Welt entwickelt sich die Elektronik mit einem beispiellosen Tempo. Fast in jedem Haushalt gibt es einen Computer. Dank des Computers gibt es das Internet. Es ist ein weiteres Fenster zur Welt, ein weiteres Fenster zur Information, aber auch ein weiteres Fenster zur Kompilation und zum Plagiat. Eine Masse von Computer-„Künstlern“ wandte sich, mit den Errungenschaften elektronischer Programme ausgerüstet, der Computergrafik zu, in der Annahme, jeder könne die Maus mit der Hand führen und hohe Ergebnisse erzielen. Dies ist dennoch kein Gravieren. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass jedem schöpferischen Prozess Talent, Herz und Persönlichkeit zugrunde liegen. Der Künstler muss die Gesetze der Komposition studieren und verstehen, dass nur die harmonische Verbindung der Elemente auf der Fläche, die Plastizität der Linien und der Kontrast das gesamte Gefüge der Komposition bestimmen. Die Klarheit der Darstellung und das Fehlen einer „Überladung“ sind eine unerlässliche Anforderung an jede Komposition, insbesondere an die kleine grafische Form.

Meiner Ansicht nach gibt es bei Computer-„Künstlern“ viel Selbstdarstellung und den Anspruch auf computertechnische Meisterschaft, zugleich jedoch ein Fehlen emotionaler Erlebnisse und des schöpferischen Höhenflugs, die dem Autor eines Werkes eigen sind. In Computerbildern ist der Mensch in der Regel nicht präsent. Es gibt eine Umgebung, es gibt Texturen, Farben und Tonwertbeziehungen. Doch die Darstellung eines Gesichts oder einer Figur ist sehr selten, äußerst problematisch und erscheint in Form einer Stilisierung oder Groteske. Man möchte jedoch auch das „Mädchen mit den Pfirsichen“ sehen. Offenbar ist die Computergrafik aufgrund ihrer heutigen Möglichkeiten dazu bestimmt, abstrakt zu sein.

In Computerexlibris werden in der Regel unterschiedliche Arten grafischer Techniken imitiert und der Form künstlerische Aufgaben „aufgezwungen“, die ihrer Natur fremd sind. Wir sehen sowohl eine Pseudoradierung mit ihrem Reichtum an Tonwerten als auch einen Pseudohochdruck mit Farbverläufen und eine hervorragende Schrift aus Programmbibliotheken. Doch in all dem gibt es keine emotionalen Erlebnisse und keine Regelverletzungen. Alles ist korrekt und steril. Das Fehlen dieser Möglichkeiten erlaubt es nicht, die persönlichen Qualitäten des Künstlers zu entwickeln. Die grafische Sprache jedes Künstlers muss individuell, einzigartig und eigenständig sein. Einzigartig zu werden ist selbst mit einem großen Arsenal an Mitteln, Techniken und anderen Komponenten eine gewaltige Aufgabe. Kein Computer kann die geäußerten Anmerkungen berücksichtigen. Es bedarf eines gebildeten, talentierten und mutigen Schöpfers.

Abschließend möchte ich als Ergebnis dieser Überlegungen sagen, dass Wettbewerbsprogramme so aufgebaut sein müssen, wie es das Thema oder die Technik voraussetzt. Die Plätze müssen unter gleichartigen Techniken vergeben werden. Plätze zwischen Radierung und Computer, Holzschnitt und Computer zu verteilen, ist absurd. Wenn wir von Grafik und Gravur sprechen, müssen solche Wettbewerbe die Meisterschaft des Schöpfers, seinen Gedanken, die Komposition, das Gravieren und den Handdruck fördern. Sie müssen den Platz des Werkes in der bildnerischen Reihe der Kunst und nicht im Computer-„Print“ bestimmen.