Ziel dieser Ausstellung ist es, die Grafikliebhaber mit dem Schaffen Grigori Nikolajewitsch Bosenkos bekannt zu machen - eines Vertreters eines für unsere Republik vergleichsweise neuen Bereichs der grafischen Kunst: der kleinen Grafik, insbesondere des Exlibris als ihres Bestandteils, dem der Künstler anderthalb Jahrzehnte seiner Tätigkeit gewidmet hat.
Grigori Nikolajewitsch Bosenko wurde 1947 in der Stadt Kilija im Gebiet Odessa geboren. 1972 absolvierte er die Architekturabteilung des Polytechnischen Instituts Chișinău namens S. Lazo. In zehn Jahren Arbeit auf dem Gebiet der Architektur gelang es G. Bosenko, vieles zu leisten, und das Ergebnis dieser Arbeit war, dass ihm 1977 für das Projekt des Institutsgebäudes der NPO „Jalsweny“ und die Gestaltung der Innenräume des Verwaltungsgebäudes des ZK der Kommunistischen Partei Moldawiens der Titel eines Preisträgers des unionsweiten Wettbewerbs junger Architekten verliehen wurde.
Während seiner Tätigkeit als Architekt und als Dozent für Grundlagen der Architektur am Polytechnischen Institut Chișinău namens S. Lazo wandte sich G. Bosenko der Grafik zu, genauer gesagt ihren kleinen Formen, wobei er gleichzeitig dem Plakat und der künstlerischen Gestaltung polygrafischer Ausgaben große Aufmerksamkeit widmete. Er ist Mitglied des Künstlerverbandes der UdSSR und des Architektenverbandes der UdSSR sowie Vorsitzender der Exlibris-Sektion beim Republikanischen Vorstand der Freiwilligen Gesellschaft der Buchliebhaber der Moldauischen SSR.
Seit 1971 ernsthaft für das Exlibris begeistert, machte G. Bosenko es nicht nur zur Hauptrichtung seines Schaffens, sondern auch zum Gegenstand der Propaganda. Nachdem er 1976 der Exlibris-Sektion beigetreten war und sie anschließend 1979 übernommen hatte, wurde er zu einer Art „Missionar“ der kleinen Grafik und des Exlibris. Seine zahlreichen Artikel, Plakate und Kataloge zu Exlibris-Ausstellungen sowie eine Reihe von Broschüren über Exlibris und Buchgrafik, die von der Freiwilligen Gesellschaft der Buchliebhaber der Moldauischen SSR herausgegeben wurden, leisteten einen gewichtigen Beitrag zur Entwicklung der angewandten Grafik. Die interessanteste Arbeit auf diesem Gebiet war der von ihm vorbereitete Miniaturband „Meister des moldauischen Exlibris“ („Timpul“, 1983), in dem die besten Werke moldauischer Exlibris-Künstler gesammelt sind. Die Exlibris von Grigori Nikolajewitsch Bosenko wurden auf zahlreichen republikanischen sowie unionsweiten und internationalen Ausstellungen gezeigt und wurden zu Visitenkarten der grafischen Kunst Moldawiens in Moskau, Tallinn, Wilna und Minsk sowie in der DDR, Ungarn, Jugoslawien, der Schweiz, Dänemark, Frankreich und Belgien … Nicht überall gab es Auszeichnungen, doch überall Anerkennung.
Auf dem Gebiet der kleinen Grafik befasst sich der Künstler nicht nur mit dem Exlibris, sondern auch mit anderen Formen, zum Beispiel mit PF (Abkürzung des Französischen pour feliciter - zum Gratulieren), einer Art Neujahrswidmung. Die größte Aufmerksamkeit verdient auf diesem Gebiet das PF von 1985, das in der Radiertechnik ausgeführt wurde. Das darauf dargestellte Segelschiff, das über die Wellen dahineilt, symbolisiert gleichsam die Fahrt des Künstlers in den unerforschten Ozean der Zukunft.
Die Themen und Techniken der Arbeiten des Grafikers sind vielfältig. Er experimentiert ständig und sucht nach neuen Formen der technischen Ausführung, wobei er bisweilen erstaunliche Ergebnisse erzielt. Er hat mehr als hundert Exlibris geschaffen, doch wir werden nur bei jenen verweilen, die vollendete Werke darstellen.
Auf der in Frankreich veranstalteten Ausstellung „Der Baum in all seinen Aspekten“ wurde das Exlibris von K. Rodel, das den Baum als Symbol des Lebens darstellt, zu einer der gelungensten Arbeiten, die G. Bosenko für dieses Ereignis geschaffen hatte; untrennbare Begleiter des Lebens sind darin Verzweiflung und Freude - Galgen und Schaukel. Die Aquatinta-Technik ermöglichte es dem Autor, einen tiefen, samtigen Ton zu schaffen, der zum Nachdenken über das Leben und seine Werte anregt.
Es muss gesagt werden, dass der Künstler nahezu in jedes Exlibris, sei es eine einer Ausstellung gewidmete oder an eine konkrete Person gerichtete Arbeit, seine Haltung und ein Teilchen seiner Seele einbringt. So stellt der Künstler in der Miniatur, die für den XX. Internationalen Exlibris-Kongress „Weimar-84“ geschaffen wurde, der in Schillers Heimat stattfand, neben dem Porträt des großen Dichters (das vorgegebene Thema) ein Schiffchen mit seinem Monogramm dar, das sich ein wenig neigt, aber dennoch unter vollen Segeln fährt.
In einigen Arbeiten tritt eine szenografische Konvention hervor, eine Art Spiel eines Schauspielers und eines Zuschauers. Das Leben - ein Theater?! So könnte man das Exlibris von Luc Van den Briel betiteln, das eine Bühne, einen Vorhang in Form von Baumdickicht, das gleichsam die irdische Existenz verkörpert, einen Mechanismus, der das Leben „dreht“, und einen Menschen - einen Wanderer - darstellt, der versucht, nach vorn zu blicken und den Vorhang des Lebens anzuheben.
Dem Thema des Theaters und der Schriftsteller widmete G. Bosenko noch mehrere Arbeiten; die gelungenste davon wurde ein weiteres Exlibris von Luc Van den Briel - über Bühneninszenierungen nach Werken Tschechows. Der Künstler baut es nach dem Prinzip der Gestaltung einer Theaterbühne auf und verwendet, wie die zeitgenössischen Bühnenbildner, verschiedene assoziative Elemente. Durch die detaillierte Ausarbeitung eines Haufens von „Gerümpel“ versucht der Autor, die kleinen Sorgen, die kleinliche Betriebsamkeit und sogar das von A. P. Tschechow bemerkte „Gerümpel“ des Lebens in die Sprache der assoziativen Grafik zu übertragen.
Auch für eine in der BRD veranstaltete Ausstellung über Musik und Musiker schuf der Künstler gelungene Arbeiten. Die Blätter „Ex musicis Sholda“ und „Phonothek Prisjaschnjuk“, auf denen Musikinstrumente dargestellt sind, wurden in der Technik der farbigen Zinkografie ausgeführt; deren zarte Farbübergänge deutet der Künstler als das Überströmen von Melodien, als den Klang der Instrumente. Ganz anders ist das Exlibris von Bul gestaltet, das Bach gewidmet ist. Die Technik des Gravierens auf Plexiglas ermöglichte es dem Künstler, der das Verhältnis der Massen ausgezeichnet empfindet, eine architektonisch interessante und rhythmisch abgestimmte Komposition zu schaffen. Die klaren Vertikalen der Orgelpfeifen umfassen gleichsam den klingenden Raum und das Porträt Bachs. Die diesem Techniktyp eigene gewisse Flächigkeit hinderte den Autor nicht daran, der Komposition eine Mehrschichtigkeit zu verleihen. Der Effekt der Mehrschichtigkeit entsteht durch die Gegenüberstellung von Flecken unterschiedlicher Leuchtkraft: des durch Schraffur gegebenen aufgelockerten Hintergrunds, der dunklen Volumen der Orgelpfeifen und des hellen Porträts des Komponisten.
Wiederholt wendet sich G. Bosenko dem Schaffen von Künstlern zu. Gleichsam „probiert“ er deren Weltgefühl an, betrachtet ihre Werke aufmerksam und wählt im Prozess der gedanklichen Auseinandersetzung kostbare Körnchen ihrer Erfahrung aus.
Das Exlibris von Aino Lepik wird als eine Hinwendung zur Antike wahrgenommen. Sein inhaltliches und kompositorisches Zentrum bildet die Statue der Nike von Samothrake, umrankt von architektonischen Konstruktionen, die an Restaurierungsgerüste erinnern, sowie von einem „Spinnennetz des Alters“, das durch feinste Nadelstriche geschaffen wurde.
Auf der Ausstellung zum Gedenken an Albrecht Dürer, die in seiner Heimatstadt Nürnberg stattfand, präsentierte G. Bosenko zwei zweifellos gelungene Arbeiten. Eine davon ist das Exlibris von Scheiko W. Die Komposition aus Dürers Monogramm und dem darin eingeschlossenen „Porträt eines jungen Mannes“, einem der Meisterwerke des Künstlers, beruht auf der Verbindung heller Buchstaben der „Renaissance-Antiqua“ mit dem dunklen Porträtfleck. In der anderen Arbeit - dem Exlibris von Lupu - ist Dürers berühmtes „magisches Quadrat“ dargestellt, in das ein Spiegel mit der Spiegelung des „Selbstporträts“ des Künstlers eingefügt ist. Es ist festzustellen, dass beide im Geist der Gravurtraditionen Dürers ausgeführten Stiche technisch vollendet sind.
Häufig werden die Miniaturen von G. Bosenko als eine sorgfältig durchdachte und juwelenartig aufgebaute Vorstellung wahrgenommen, in der alles - die Unbedingtheit der echten Formen und die Bedingtheit ihrer Wechselbeziehungen - der Schaffung eines Bildes als Metapher dient. Als Beispiel dafür kann das Exlibris des talentierten litauischen Architekten Stasjulis dienen.
Für die Ausstellung der Arbeiten des hervorragenden finnischen Grafikers und Kalligrafen Paalasmaa widmete G. Bosenko eines seiner Exlibris diesem Anlass; darin verkörpern zwei Figuren in mittelalterlicher Kleidung - ein Engländer und ein Franzose, der eine mit einem Pinsel, der andere mit einer Feder in der Hand - die alten Traditionen der Kalligrafiekunst, der Paalasmaa sein Schaffen gewidmet hat.
Grigori Bosenko widmet dem Schriftexlibris große Aufmerksamkeit. Die Kalligrafiekunst stellt die Schrift nicht als eine Ansammlung von Buchstaben dar, sondern als lebendige Zeilen, in denen sich die Buchstaben dank dem Können des Künstlers zu Bildern fügen und verschiedene Assoziationen und Empfindungen hervorrufen. Die denkwürdigen Exlibris für Aiwasowski sind Variationen zum Thema des Meeres. Im im Siebdruckverfahren ausgeführten Exlibris von Klaus Rodel komponiert der Künstler die Buchstaben so meisterhaft, dass sie eigentümliche Kalligramme bilden: Vor uns entsteht bald ein stürmisches Meer, bald ein in den Wellen verlorenes Schiffchen, bald die Masten eines Segelschiffs. Die Plastizität der Schrift, die unterschiedliche Strichstärke und die Makellosigkeit der Linien lassen ein echtes Bild des Meeres entstehen.
Bei der Arbeit mit klassischen Schriften lässt G. Bosenko sie jedes Mal auf seine eigene Weise klingen. Im Exlibris von Paalasmaa legt der Künstler einen klassischen Antiqua-Typ zugrunde und erzielt durch die stärkere Neigung der feinen Buchstabenstriche eine besondere Eleganz, ein besonderes Zusammenspiel, man könnte sagen: eine besondere Art von Kunstfertigkeit der Schrift. Die dekorativen Schnörkel stören den strengen Rhythmus der Schrift nicht nur nicht, sondern ergänzen ihn, indem sie eine besondere Nuance der Haltung des Künstlers selbst zu den Arbeiten eines so hervorragenden Kalligrafen wie Paalasmaa einbringen.
Das im Siebdruckverfahren ausgeführte Exlibris von Hanno Lepik ist eines der gelungensten Schriftzeichen von G. Bosenko. Die Buchstaben sind nicht konstruiert, sondern mit einer elastischen, kühnen Linie geschrieben. Es scheint, als strebe der Künstler danach, den Eindruck einer schnellen, leichten Arbeit zu bewahren, und erreiche dabei eine komplexe, dynamische Geschlossenheit der Komposition.
Am häufigsten schafft G. Bosenko seine eigene Schrift, in der alle grundlegenden Prinzipien der Kalligrafie ihren Niederschlag finden: Klarheit, Schönheit, Charakteristik, Einfachheit, Originalität, Proportionalität, Einheit, Ausgereiftheit, Freiheit …
Die Schriften der Exlibris von G. Bosenko sind vielfältig und in ihrer Gestaltung oft überraschend. So erzielt der Künstler im im Hochdruckverfahren ausgeführten Exlibris von Kuris durch die Verwendung einer Dehnung des feuchten Papiers den Effekt des Prägedrucks - des Reliefvorsprungs der Buchstaben. In derselben Technik ist auch das Exlibris von Gudmonas Jonas ausgeführt. Die Ausdruckskraft der Komposition beruht auf der durchdachten Vereinigung kontrastierender Zeilen einer freien, mit Schwüngen verzierten Schrift und der strengen unteren Aufschrift.
Überhaupt nutzt der Künstler häufig das Phänomen des Kontrasts, das nicht einfach durch den Unterschied der Elemente, sondern durch ihre Polarität hervorgerufen wird; dabei strebt er nach Dynamik der Formen und hebt ihre individuellen Eigenschaften deutlicher hervor. Indem er den Kontrast auf der Gegenüberstellung von Farben, Textur und Prinzipien des Aufbaus der Zeichen gründet, verleiht er seinen Miniaturen eine besonders ausdrucksvolle Wirkung.
Interessant ist auch das Exlibris von Klaus Rodel als eine Art Variation zum Thema des Exlibris über das Exlibris. Die im Breitfederverfahren ausgeführte Schriftkomposition ist ungewöhnlich schön und dynamisch. Die Bewegung nimmt allmählich zu und entfaltet sich von oben nach unten. Die lebendigen, beweglichen Linien der in freier, malerischer Manier geschriebenen Schrift enden unten in der lakonisch-strengen Gestaltung des Namens des Besitzers. Auch dieses Verfahren schafft eine besondere Autorenhandschrift G. Bosenkos.
Einen unbestreitbaren Erfolg stellt eines der letzten Schriftexlibris des Grafikers dar - das Bucheignerzeichen „Knyhosbirnja Bosenko“ -, das dem Vater des Künstlers gehört. Der Charakter der Schrift dieses Zeichens führt uns zu den handgeschriebenen Büchern volkstümlicher Meister - der Kalligrafen - zurück. Der Text des alten Sprichworts „Das Kosakengeschlecht findet kein Ende“ mit den darin verflochtenen Miniaturdarstellungen des Kosakenheeres und des Sängers Mamai verschmilzt organisch und wurzelt in der ukrainischen Folklore.
Die Arbeiten von G. Bosenko auf dem Gebiet des Kinderbucheignerzeichens dürfen nicht unerwähnt bleiben. Der Künstler widmete den Kindern mehr als zehn Opuswerke, von denen der größte Teil in der Technik des Gravierens auf Kunststoff und Plexiglas ausgeführt ist, einige in der Radiertechnik. Zu den besten kann man das Zeichen „Dieses Buch gehört dem Jungen Pawlik“ (1973) zählen, in dem sieben Märchenzwerge über ein auf Büchern errichtetes Brückchen schreiten.
Immer häufiger werden die in der Radiertechnik ausgeführten Exlibris nicht so sehr zu Bestandteilen von Büchern aus Sammlungen als vielmehr zu eigenständigen grafischen Miniaturen. Seine Opuswerke zeichnen sich durch die Komplexität der technischen Verfahren aus, die eine akribische Arbeit voraussetzt. Häufig verwendet er Radierungen mit drei und mehr Ätzungen, die Aquatinta-Technik sowie die Verbindung von Radierung und Stichel.
Hervorzuheben sind die Philosophizität der Exlibris und PF-Arbeiten von G. Bosenko, die „Theatralik“ seiner Sichtweise und seine reiche schöpferische Fantasie. Das Motiv der Treppen und Segel, das in seinen Arbeiten wiederholt vorkommt, verkörpert gleichsam die Bewegung - vorwärts und zweifellos zum Besseren. Als eine solche Bewegung kann man seine Hinwendung zur Buchgrafik und zum Buchdesign betrachten. Die letzten Arbeiten des Künstlers auf diesem Gebiet beziehen sich auf die Gestaltung von Kinderbüchern. Sowohl in den Buchminiaturen als auch bei der Gestaltung von Ausgaben für kleine Leser lässt sich der Grafiker von den Interessen, der Sichtweise und der Fantasie der Kinder durchdringen. Das Buch „Erdbeere“ von I. Georgize gestaltete er mit interessanten spielerischen Illustrationen und aufgeklebten Schriftkompositionen, die den Text beleben.
Wenn man über den schöpferischen Weg Grigori Nikolajewitsch Bosenkos spricht, über einen Weg voller Suchen, möchte man sein ständiges Streben nach Neuem und nach der Vervollkommnung seines Könnens sowie seine enorme Arbeitsfähigkeit und seinen Fleiß hervorheben, die als Garantie für das weitere schöpferische Wachstum des Künstlers dienen.